Bei sich sein.
Wie du aus dem Kopfkino zurückfindest

Gedanken über Arbeit, Beziehungen oder die Zukunft kreisen immer weiter? In dieser Folge geht es darum, das Kopfkino zu bemerken und wieder wahrzunehmen, was gerade in dir geschieht.

14:22 Min. · Andreas Ebert · 30.09.2026

PODCAST · Veröffentlichung: · 14:22 MIN.Bei sich sein: Wie du aus dem Kopfkino zurückfindest
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Manchmal beschäftigt dich ein Thema den ganzen Tag. Ein Gespräch bei der Arbeit geht dir nicht aus dem Kopf. In deiner Beziehung ist etwas offen. Oder du fragst dich, wie es beruflich weitergehen soll. Du gehst dieselben Gedanken immer wieder durch, weil du eine Lösung finden möchtest. Trotzdem wirst du nicht ruhiger. Vielleicht kostet dich dieses ständige Nachdenken inzwischen mehr Kraft als die Sache selbst.

In dieser Folge spreche ich darüber, wie du wieder mehr bei dir sein kannst. Damit meine ich einen einfachen, aber oft ungewohnten Schritt: einen Moment innehalten und wahrnehmen, was gerade in dir geschieht. Nicht nur, was du über deine Situation denkst, sondern wie du sie im Moment erlebst.

Welche Geschichte läuft gerade in deinem Kopf?

Wenn Männer zu mir kommen, bringen sie ganz unterschiedliche Anliegen mit. Einer fühlt sich im Beruf überfordert, ein anderer beschäftigt sich mit seiner Beziehung. Wieder ein anderer fragt sich, ob er genug erreicht hat oder wie es finanziell weitergeht. Was davon dich gerade beschäftigt, weißt du selbst am besten.

Versuche einmal, die Geschichte zu benennen, die in dir besonders häufig läuft. Vielleicht lautet sie: „Ich muss mehr leisten.“ Vielleicht: „So kann meine Beziehung nicht weitergehen.“ Oder: „Was passiert, wenn ich diese Entscheidung falsch treffe?“ Du musst die Geschichte nicht sofort verändern. Zunächst reicht es, zu bemerken, wann du wieder mitten in ihr steckst.

Nachdenken kann sehr sinnvoll sein. Du kannst ein Gespräch vorbereiten, eine Reise planen oder einen nächsten Schritt im Beruf abwägen. Doch manche Gedanken drehen sich im Kreis. Sie geben dir das Gefühl, etwas zu tun, ohne dass du der Antwort näherkommst. Gerade dann kann es helfen, deine Aufmerksamkeit für einen Moment anders auszurichten.

Eine Pause mitten im Kopfkino

Du kannst diese kleine Übung jetzt ausprobieren, wenn deine Situation es zulässt. Lass die Augen offen, wenn du unterwegs bist oder Aufmerksamkeit für deine Umgebung brauchst. Halte einen Moment inne und frage dich: Was nehme ich gerade in mir wahr?

Vielleicht bemerkst du Unruhe, Ärger oder Müdigkeit. Vielleicht ist da zunächst nichts Eindeutiges, sondern nur eine Stimmung oder eine Spannung im Körper. Es gibt keine Antwort, die du finden musst. Beobachte, was tatsächlich da ist, bevor du es erklärst oder bewertest.

Das ist etwas anderes, als eine weitere Runde über dein Problem nachzudenken. Du richtest die Aufmerksamkeit auf dein gegenwärtiges Erleben. Sobald du wieder in Gedanken abschweifst, kannst du zurückkehren und erneut fragen: Was spüre ich gerade? Diese Bewegung lässt sich üben.

Bei dir sein heißt nicht, Probleme zu übersehen

In der Folge unterscheide ich zwischen dem, was gerade geschieht, und dem, was du dir über morgen oder nächste Woche vorstellst. Sorgen können sich sehr real anfühlen, auch wenn das befürchtete Ereignis noch nicht eingetreten ist. Sich für einen Moment auf die Gegenwart zu besinnen, kann dir helfen, beides auseinanderzuhalten.

Das bedeutet nicht, dass jede Sorge unbegründet ist. Eine schwierige Beziehung, hoher Druck im Beruf oder ein tatsächlicher Verlust verdienen Aufmerksamkeit. Du musst solche Situationen nicht schönreden. Die Frage ist, ob du gerade etwas klären oder tun kannst, oder ob du in diesem Moment immer wieder dieselbe mögliche Zukunft durchspielst.

Wenn du innehältst, verschwindet das Problem möglicherweise nicht. Aber du bekommst eine weitere Möglichkeit, ihm zu begegnen. Du kannst wahrnehmen, wie es dir damit geht, statt nur seiner gedanklichen Geschichte zu folgen. Von dort aus lässt sich oft besser unterscheiden, was heute ansteht und was du im Augenblick nicht entscheiden kannst.

Einen inneren Anker entwickeln

Ich beschreibe diese Verbindung zu dir selbst in der Folge als eine Art inneren Anker. Es geht um die Erfahrung: Ich kann bemerken, was in mir los ist, auch wenn meine Gedanken laut werden. Manchmal entsteht daraus Ruhe. Manchmal bemerkst du erst einmal, wie angespannt du bist. Beides ist ein Anfang.

Diesen Anker musst du nicht in einer langen Übung suchen. Du kannst ihn an kleinen Stellen des Tages wieder aufgreifen: bevor du auf eine Nachricht antwortest, nach einem anstrengenden Gespräch oder wenn du merkst, dass du gedanklich schon bei den Problemen der nächsten Woche bist. Ein Atemzug und eine ehrliche Frage an dich selbst können für den Anfang reichen.

Mit der Zeit erkennst du vielleicht früher, wann eine Geschichte deine ganze Aufmerksamkeit beansprucht. Du kannst dann kurz bei dir ankommen und anschließend entscheiden, ob du weiterdenken, handeln oder das Thema vorerst stehen lassen möchtest. Gerade diese Wahl kann entlastend sein.

Was sich in Begegnungen verändern kann

Wenn du mit deiner Aufmerksamkeit bei dir bist, musst du in einem Gespräch weniger damit beschäftigt sein, wie du gerade wirkst. Du kannst dein Gegenüber genauer wahrnehmen und zugleich bemerken, was die Begegnung in dir auslöst. Das kann dir helfen, klarer zu sprechen, zuzuhören oder eine Grenze auszusprechen.

In der Folge geht es auch um die Frage, wie Präsenz auf andere Menschen wirkt. Ein souveränes Auftreten lässt sich nicht einfach vorspielen. Wenn du dich selbst besser wahrnimmst, brauchst du weniger Energie dafür, eine bestimmte Wirkung herzustellen. Du kannst dich eher so zeigen, wie du gerade bist.

Nicht jedes Gespräch wird dadurch leicht und nicht jeder Mensch wird dir zustimmen. Doch eine Begegnung kann ehrlicher werden, wenn du deine eigene Reaktion bemerkst, statt sie zu überspielen oder dich in Gedanken über den nächsten Satz zu verlieren.

Was du heute ausprobieren kannst

Nimm dir irgendwann heute eine Minute Zeit, in der du nicht abgelenkt bist. Frage dich zunächst: Welche Geschichte beschäftigt mich gerade am meisten? Formuliere sie in einem Satz. Dann frage dich: Was nehme ich wahr, während ich daran denke?

Vielleicht ist es Enge, Unruhe, Wut oder Traurigkeit. Vielleicht ist auch Freude oder Erleichterung da. Lass die Wahrnehmung für einen Moment gelten, ohne sofort etwas daraus machen zu müssen. Danach kannst du entscheiden, ob ein konkreter Schritt nötig ist.

Bei sich sein ist keine Aufgabe, die du einmal erledigst. Du kannst diese Verbindung im Alltag immer wieder neu aufnehmen. Die Folge lädt dich dazu ein, deinem inneren Erleben neben all den Gedanken über Arbeit, Beziehung und Zukunft wieder mehr Raum zu geben.

Was bedeutet das für dich?

Vielleicht erkennst du dich in einigen Gedanken wieder. In unserer gemeinsamen Arbeit schauen wir darauf, wie sich dieses Thema in deinem Alltag zeigt und welche Veränderung dir persönlich wichtig ist. Daraus entwickeln wir einen passenden nächsten Schritt.

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