Innere Reaktionen verstehen
Angst vor Ablehnung kann zu Eifersucht, Kontrolle oder Rückzug führen und Beziehungen zusätzlich belasten.
Folge hören & lesenBEZIEHUNG UND INNERE MUSTER
Untreue erschüttert Vertrauen und Selbstverständnis. Diese Folge betrachtet den Schmerz und die Bedeutung klarer gemeinsamer Vereinbarungen.

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Wenn du erfährst, dass deine Partnerin oder dein Partner untreu war, kann sich vieles auf einmal verändern. Vielleicht fühlst du dich verletzt, ausgetauscht oder beschämt. Du versuchst zu verstehen, was passiert ist, während Bilder und Fragen immer wieder auftauchen. Und möglicherweise kommt noch der Vorwurf an dich selbst hinzu, dass dich das alles nicht so stark treffen sollte.
Diese Folge widmet sich zwei Ebenen: dem Umgang mit dem Schmerz nach Untreue und der Frage, wie Partner über Treue sprechen können. Mir ist dabei zunächst wichtig, das Erleben der verletzten Person ernst zu nehmen. Du musst deine Reaktion nicht kleinreden, um sachlich über die Zukunft der Beziehung nachdenken zu dürfen.
In der Folge beginne ich mit einem Blick auf Eifersucht. Häufig steht zuerst im Vordergrund, wie belastend oder einschränkend sie für das Gegenüber sein kann. Diese Seite ist wichtig. Gleichzeitig verdient auch der innere Schmerz der eifersüchtigen oder betrogenen Person Aufmerksamkeit.
Beides lässt sich unterscheiden. Ein Gefühl ernst zu nehmen bedeutet nicht, jedes Verhalten zu rechtfertigen, das daraus entsteht. Du kannst verletzt sein, ohne dass Kontrolle oder Einschränkung dadurch automatisch zu einer guten Lösung werden. Die Folge richtet den Blick zunächst darauf, was in dir geschieht, wenn eine wichtige Verbindung unsicher geworden ist.
Als besonders schmerzhaft beschreibe ich die Vorstellung, einfach ersetzt worden zu sein. Darin kann mehr liegen als der konkrete sexuelle Kontakt mit einem anderen Menschen. Es geht möglicherweise auch um Zugehörigkeit, um deine Bedeutung in der Beziehung und um das Vertrauen darauf, dass eure Verbindung einen besonderen Platz hat.
In der Folge erzähle ich von Gesprächen mit Frauen, die nach einem solchen Erlebnis einen sehr tiefen Schmerz beschrieben haben. Diese Erfahrungen dienen als Ausgangspunkt für meinen Blick auf das Thema. Vielleicht erkennst du als Mann etwas davon wieder, auch wenn deine eigene Geschichte anders ist.
Ich biete im Audio außerdem ein persönliches Erklärungsbild an, das den Schmerz mit dem Gefühl des Ausgeschlossenseins verbindet. Für den praktischen Umgang ist vor allem der Gedanke wichtig, mit mehr Verständnis auf die eigene Reaktion zu schauen. Wenn sich etwas existenziell bedrohlich anfühlt, ist das innere Erleben nicht durch einen schnellen sachlichen Hinweis erledigt.
Du kannst dir zunächst zugestehen, dass es dir schlecht geht. Das ist kein Urteil darüber, wie die Beziehung weitergehen soll. Es ist die Anerkennung dessen, was gerade bereits da ist. Du brauchst dich nicht zusätzlich dafür abzuwerten, dass der Vertrauensbruch dich trifft.
Nach Untreue können sich innere Bilder aufdrängen. Du stellst dir vor, was zwischen der anderen Person und deinem Partner geschehen ist. Vielleicht wiederholen sich Fragen danach, wie das möglich war oder ob du jemals wieder vertrauen kannst. In der Folge unterscheide ich diese Geschichten vom unmittelbar spürbaren Gefühl.
Diese Unterscheidung ist keine Aufforderung, das Geschehene für unwichtig zu erklären. Sie dient dazu, zwei unterschiedliche Vorgänge wahrzunehmen. Einerseits denkst du über ein Ereignis und seine Bedeutung nach. Andererseits erlebst du im gegenwärtigen Moment Schmerz, Angst oder Trauer.
Mein Vorschlag im Audio ist, die Bilder und das weitere Erzählen zeitweise ruhen zu lassen und genauer auf die unmittelbare Wahrnehmung zu achten. Wie fühlt sich der Schmerz gerade an? Verändert er sich? Ist er eher eng oder weit, ziehend oder drückend? Solche Beschreibungen sollen die Aufmerksamkeit auf das Erleben lenken, nicht eine richtige Antwort vorgeben.
In der Folge verbinde ich das Wahrnehmen mit einem gelösten Ausatmen. Ich beschreibe einen begleitenden Seufzer, ohne den Atem künstlich länger zu machen. Gemeint ist eine Haltung, in der du nicht zusätzlich gegen jede vorhandene Empfindung ankämpfst.
Der Kern ist, bei dem zu bleiben, was im Augenblick spürbar ist, statt sofort wieder die gesamte Geschichte aufzurollen. Das kann anspruchsvoll sein, gerade wenn der Vertrauensbruch noch frisch ist. In persönlicher Begleitung lässt sich genauer schauen, wie viel Raum für diese Art der Aufmerksamkeit gerade vorhanden ist.
Die Folge betrachtet diese Gefühlsarbeit als einen eigenen Bereich. Sie beantwortet noch nicht die Fragen nach Absprachen, Verantwortung oder der Fortsetzung eurer Beziehung. Diese Fragen bleiben wichtig. Es kann aber hilfreich sein, nicht alles im selben Moment lösen zu müssen.
Im zweiten Teil der Folge wechselt der Blick zur Kommunikation in einer Beziehung. Statt nur allgemein zu fragen, ob man einander treu bleiben möchte, rege ich an, genauer über die Bedeutung dieser Zusage zu sprechen. Was versteht ihr darunter? Welche Entscheidungen gehören für euch dazu?
Dabei geht es ausdrücklich um ein vereinbartes Beziehungsmodell. In der Folge wird eine monogame Beziehung als Beispiel verwendet, zugleich werden andere Modelle erwähnt. Entscheidend ist, dass die Beteiligten wissen, was sie miteinander vereinbaren, und nicht nur stillschweigend unterschiedliche Vorstellungen voraussetzen.
Das Gespräch kann unangenehm sein. Vielleicht ist schon das Eingeständnis schwierig, dass Anziehung zu anderen Menschen überhaupt entstehen könnte. Der Vorschlag der Folge ist, diese Möglichkeit anzusprechen, statt so zu tun, als könne sie innerhalb einer festen Partnerschaft grundsätzlich nicht vorkommen.
An einem Beispiel aus meiner Praxis erläutere ich zwei Ebenen einer möglichen Vereinbarung. Die erste betrifft den Umgang mit einer aufkommenden Anziehung: Ist die andere Person bereit, diese nicht bewusst weiter zu verstärken? Die zweite betrifft das Handeln: Möchte sie sich auch dann gegen einen sexuellen Kontakt entscheiden, wenn ein entsprechender Wunsch vorhanden ist?
Diese Fragen sind als Gesprächsvorschlag gemeint, nicht als einseitige Regel, die du einem anderen Menschen auferlegen kannst. Eine gemeinsame Zusage braucht die Bereitschaft beider Beteiligten. Der Unterschied zur allgemeinen Aussage „Ich bleibe treu“ liegt darin, dass der innere Umgang und die konkrete Handlung deutlicher benannt werden.
Das Audio lädt dazu ein, sich über genau solche Unterschiede auszutauschen. Was möchten wir miteinander leben? Welche Verbindlichkeit können und wollen wir zusagen? Wo sind unsere Vorstellungen ähnlich, und wo müssen wir genauer sprechen? Solche Fragen machen das Thema greifbarer als eine bloße Erwartung, die andere Person müsse schon wissen, was gemeint ist.
Wenn du das Thema schwer ansprechen kannst, nennt die Folge eine einfache Möglichkeit: Ihr könnt euch das Audio beide anhören und anschließend darüber sprechen. Dann steht zunächst ein Vorschlag von außen im Raum, auf den ihr euch beziehen könnt. Ihr müsst ihn nicht vollständig übernehmen.
Vielleicht erzeugt das Gespräch erst einmal Verunsicherung. Auch das wird im Audio angesprochen. Der Gedanke ist, bei einer ehrlichen Kommunikation zu bleiben und genauer zu verstehen, was die jeweiligen Antworten bedeuten. Ein einmaliger Satz ersetzt nicht die weitere Auseinandersetzung mit eurer Beziehung.
Die Folge verbindet Verständnis für deinen Schmerz mit einer Einladung zu klareren Gesprächen. Auf der inneren Ebene geht es darum, Gefühle und Geschichten zu unterscheiden. Auf der Beziehungsebene geht es darum, Treue konkret und gemeinsam zu besprechen. Welche Konsequenzen du aus deiner Situation ziehst, bleibt eine persönliche Frage, die mehr Raum brauchen kann als eine Podcastfolge.
IN MEINER PRAXIS
Vielleicht erkennst du dich in einigen Gedanken wieder. In unserer gemeinsamen Arbeit schauen wir darauf, wie sich dieses Thema in deinem Alltag zeigt und welche Veränderung dir persönlich wichtig ist. Daraus entwickeln wir einen passenden nächsten Schritt.
Mehr zu Beziehung und meiner Begleitung →Die Folge und der Artikel geben Orientierung und ersetzen keine persönliche Behandlung.
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