People-Pleasing.
Klar sein, ohne hart zu werden

Du sagst Ja, obwohl du eigentlich Nein meinst. Du möchtest Konflikte vermeiden, stellst dabei aber immer wieder deine eigenen Bedürfnisse zurück.

19:48 Min. · Andreas Ebert · 18.08.2024

Podcast-Cover von Andreas Ebert
19:48 Min. · PODCAST

People-Pleasing: Klar sein, ohne hart zu werden

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Du bist aufmerksam, freundlich und schnell zur Stelle, wenn andere etwas brauchen. Gleichzeitig merkst du vielleicht, dass deine eigenen Wünsche kaum vorkommen. Du sagst Ja, obwohl du eigentlich Nein meinst. Im Gespräch wirkst du entspannt, hinterher bist du verärgert. Und sobald du dir vorstellst, etwas offen anzusprechen, taucht die Sorge auf, schwierig oder unsympathisch zu wirken.

In dieser Folge geht es um People-Pleasing und einen konkreten Weg zu mehr Klarheit. Mein Ziel ist dabei nicht, dass du künftig rücksichtslos auftrittst. Es geht darum, deine eigenen Anliegen wahrzunehmen und auszudrücken, ohne automatisch von Angst oder Wut geführt zu werden. Als Beispiel dient eine alltägliche Begegnung mit einer Kollegin an der Kaffeemaschine.

Viel Aufmerksamkeit für andere, wenig für dich

People-Pleasing zeigt sich in der Folge vor allem als starke Ausrichtung auf das Gegenüber. Was könnte die andere Person wollen? Was erwartet sie? Wie muss ich reagieren, damit kein Konflikt entsteht? Vielleicht bist du darin sehr geübt und bemerkst die Anspannung dahinter kaum noch.

Dabei können zwei unterschiedliche Ebenen entstehen. Nach außen bist du freundlich und zugewandt. Innerlich gibt es längst ein Nein oder Ärger. In der Folge nenne ich als zugespitztes Beispiel ein freundliches Telefongespräch, nach dem jemand auflegt und sofort über den Gesprächspartner schimpft. Das äußere Verhalten und das tatsächliche Erleben passen dann wenig zusammen.

Der erste Schritt ist, diese Differenz überhaupt wahrzunehmen. Was fühlst und willst du selbst in einer Situation? Was davon zeigst du? Was hält dich davon ab, es anzusprechen? Das Erkennen verändert noch nicht automatisch dein Verhalten, aber es macht deutlicher, woran du arbeiten möchtest.

Klarheit muss nicht aus Wut entstehen

Die Folge beginnt mit dem Beispiel eines Bekannten, der aus seinem angepassten Verhalten ausbrechen wollte und dabei eher aggressiv wurde. Für andere war diese neue Art schwer einzuordnen. Dieses Beispiel führt zu einer Frage, die viele Menschen beschäftigt: Muss ich hart werden, damit ich endlich für mich einstehe?

Mein Vorschlag zielt auf eine andere Richtung. Wenn du bisher von Angst vor Ablehnung gesteuert wirst und künftig nur noch aus Ärger reagierst, bestimmt weiterhin eine starke automatische Reaktion dein Verhalten. Die gewünschte Veränderung ist, mehr mit dir selbst verbunden zu sein und dabei auch dein Gegenüber wahrzunehmen.

Authentisch sein bedeutet in dieser Folge, offen und neugierig in eine Situation gehen zu können. Du musst nicht alles im Voraus absichern und brauchst dich zugleich nicht über andere hinwegzusetzen. Diese Haltung lässt sich leichter an einer konkreten Alltagssituation erkunden als an dem abstrakten Vorsatz, von jetzt an immer authentisch zu sein.

Eine einzige Situation als Übungsfeld wählen

Das Beispiel der Folge spielt am Arbeitsplatz. Eine Kollegin erzählt ausführlich von ihrem Wochenende. Du hörst zu. Wenn du selbst etwas sagen möchtest, wirkt sie ungeduldig oder beendet das Gespräch. Du kennst den Ablauf und lässt deine eigenen Themen deshalb lieber ganz weg.

Statt dein gesamtes Sozialverhalten gleichzeitig verändern zu wollen, schlägt die Folge vor, genau diese eine Begegnung auszuwählen. Wie möchtest du darin reagieren? Was würdest du gern mitteilen? Und welche Formulierung wäre ehrlich, ohne die andere Person anzugreifen?

Diese Begrenzung ist wichtig. Du bereitest nicht jeden denkbaren Konflikt der Zukunft vor. Du beschäftigst dich mit einer vertrauten Situation, die tatsächlich in deinem Alltag vorkommt. Dadurch wird die Veränderung anschaulich und du kannst genauer beobachten, was innerlich passiert, wenn du eine andere Reaktion ausprobierst.

Einen stimmigen Satz vorbereiten

In der Folge rege ich an, die gewünschte Reaktion vorher laut zu üben. Das kann vor dem Spiegel geschehen oder mit einer vertrauten Person. Zunächst kommen vielleicht Sätze heraus, die sehr wütend sind. Auch das kann sichtbar machen, wie viel sich bereits angestaut hat. Es muss aber nicht die Form sein, in der du das Gespräch führen möchtest.

Die vorgeschlagene Richtung ist, die Kollegin freundlich zu unterbrechen und das eigene Erleben zu beschreiben. Du kannst sagen, dass du ihre Geschichten interessant findest, zugleich aber den Eindruck hast, für deine eigenen Themen sei wenig Platz. Dazu gehört der Wunsch, auch selbst etwas erzählen und ihre Rückmeldung hören zu können.

Es geht nicht um einen perfekten Standardsatz. Entscheidend ist, dass die Formulierung zu deinem Anliegen passt und du sie tatsächlich aussprechen kannst. Durch das Üben wird die neue Reaktion konkreter. Du hörst, wie sie klingt, und bemerkst eher, an welcher Stelle Unsicherheit oder Widerstand auftauchen.

Mit der Angst in Kontakt bleiben

Eine vorbereitete Formulierung beseitigt nicht automatisch die Angst. Die Folge spricht das ausdrücklich an. Gerade wenn du lange angepasst reagiert hast, kann es sich ungewohnt und riskant anfühlen, dein eigenes Anliegen sichtbar zu machen. Du verlässt eine vertraute Reaktionsweise, auch wenn diese dich viel Kraft kostet.

Deshalb geht es neben dem Verhalten auch um den Umgang mit dem Gefühl. Bisher hast du vielleicht schnell nachgegeben, damit die Unsicherheit verschwindet. In der vorgeschlagenen Entwicklung lernst du, diese innere Reaktion bewusster wahrzunehmen. Das kann in persönlicher Begleitung genauer geübt werden.

Beide Seiten gehören zusammen: Du bereitest einen anderen Ausdruck vor und beschäftigst dich damit, was er in dir auslöst. Nur die richtigen Worte zu kennen, reicht häufig nicht. Umgekehrt bleibt die Veränderung abstrakt, wenn du deine Gefühle erkundest, aber nie eine konkrete neue Erfahrung im Alltag machst.

Eine gelungene Erfahrung bewusst wirken lassen

Wenn du in der ausgewählten Situation anders reagiert hast, lohnt es sich, nicht sofort weiterzugehen. Wie war es, dein Anliegen tatsächlich auszusprechen? Was hast du dabei über dich erlebt? Vielleicht war es ungewohnt, vielleicht gab es zugleich einen Moment von Erleichterung oder Freiheit.

In der Folge beschreibe ich, wie wichtig es mir ist, solchen Erfahrungen Bedeutung zu geben. Die Veränderung soll nicht nur als erledigte Aufgabe im Kalender stehen. Du kannst wahrnehmen, weshalb dieser neue Umgang für dich wertvoll ist und welche Art des Lebens darin sichtbar wird.

Dafür nutze ich das Bild, sich in den Veränderungsprozess zu verlieben. Gemeint ist eine Motivation, die aus dem Erleben selbst entsteht. Wenn du spürst, dass du ehrlicher und freier sein kannst, bekommt das weitere Üben einen anderen Sinn als eine zusätzliche Pflicht, die du erfüllen musst.

Vorbereitung und Grübeln unterscheiden

Die Folge unterscheidet außerdem zwischen sinnvoller Vorbereitung und dem Versuch, jedes künftige Problem bereits im Kopf zu lösen. Einen Satz für eine konkrete Begegnung zu üben ist eine überschaubare Vorbereitung. Sich immer neue mögliche Reaktionen auszumalen kann dagegen wieder zum bekannten Kontrollversuch werden.

Authentizität bedeutet hier auch, dir zuzutrauen, im tatsächlichen Moment mit dem umzugehen, was entsteht. Nicht jede Antwort des Gegenübers muss vorher feststehen. Die Vorbereitung hilft dir, dein eigenes Anliegen zu kennen. Was im Gespräch wirklich geschieht, kannst du erst dort wahrnehmen und beantworten.

Der Ablauf aus der Folge

  • Wähle eine konkrete Situation, in der du dich häufig anpasst.
  • Kläre, was du darin selbst wahrnimmst und mitteilen möchtest.
  • Übe einen ehrlichen, respektvollen Satz laut vor.
  • Beachte die Angst, die dabei entsteht, statt nur nach perfekten Worten zu suchen.
  • Probiere die neue Reaktion im Alltag und lass die Erfahrung anschließend bewusst wirken.

Was du mitnehmen kannst

Du musst nicht vom freundlichen Ja zum aggressiven Nein wechseln. Die Folge zeigt eine Entwicklung über einen kleinen, konkreten Schritt: das eigene Anliegen erkennen, einen passenden Ausdruck vorbereiten und die damit verbundene Erfahrung ernst nehmen. So kann mehr Klarheit entstehen, ohne dass Rücksicht und Zugewandtheit verloren gehen müssen.

Was bedeutet das für dich?

Vielleicht erkennst du dich in einigen Gedanken wieder. In unserer gemeinsamen Arbeit schauen wir darauf, wie sich dieses Thema in deinem Alltag zeigt und welche Veränderung dir persönlich wichtig ist. Daraus entwickeln wir einen passenden nächsten Schritt.

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Die Folge und der Artikel geben Orientierung und ersetzen keine persönliche Behandlung.

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