Perfektionismus.
Inneren Widerstand bei Stress verstehen

Perfektionismus und innerer Widerstand können Stress zusätzlich verstärken und notwendige Veränderungen blockieren.

7:34 Min. · Andreas Ebert · 26.05.2024

Podcast-Cover von Andreas Ebert
7:34 Min. · PODCAST

Perfektionismus: Inneren Widerstand bei Stress verstehen

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Nicht immer kommt der stärkste Druck von außen. Manchmal ist eine Aufgabe noch gar nicht bewertet worden, und du bist bereits unzufrieden mit dir. Es müsste besser gehen, schneller, souveräner oder fehlerfrei. Dass dir etwas nicht so gelingt wie gewünscht, wird dann selbst zum Anlass für zusätzlichen Stress.

Diese Folge richtet den Blick auf den inneren Widerstand, der dabei entstehen kann. Du möchtest eine bestimmte Version von dir sein und lehnst diejenige ab, die gerade unsicher ist oder an Grenzen stößt. Ich lade dich ein, diesen Ablauf genauer wahrzunehmen und nach einem anderen Umgang mit dir zu suchen. Im Mittelpunkt stehen Perfektionismus, Selbstakzeptanz und die Frage, was dich innerlich antreibt.

Wenn du gegen dein eigenes Erleben ankämpfst

In der Folge beschreibe ich Widerstand zunächst ganz allgemein. Du gerätst in eine Situation, in der etwas von dir erwartet wird, das du nicht möchtest. Diese Erwartung kann von einem Vorgesetzten kommen. Sie kann aber auch deine eigene sein: Du verlangst von dir, auf eine bestimmte Weise zu funktionieren.

Vielleicht gelingt dir etwas nicht so, wie du es dir vorgestellt hast. Dann kommt zum eigentlichen Problem noch ein zweiter Vorgang hinzu. Du willst nicht derjenige sein, dem das passiert. Du lehnst deine Unsicherheit, dein Unvermögen in diesem Moment oder das unangenehme Gefühl ab.

Genau dieser zusätzliche innere Kampf ist das Thema der Folge. Die Frage lautet nicht nur, wie du die Aufgabe besser lösen könntest. Sie lautet auch, wie du mit dir umgehst, während etwas schwierig ist. Was in dir möchte unbedingt verschwinden? Welches Bild von dir versuchst du stattdessen aufrechtzuerhalten?

Äußere Anforderungen und innere Reaktionen unterscheiden

Ein Blick nach innen bedeutet nicht, äußere Belastungen für unwichtig zu erklären. In der Folge betone ich, dass auch die Situation selbst betrachtet werden muss. Wenn Anforderungen zu hoch sind oder ein Umgang als ungerecht erlebt wird, gehört das zum Thema.

Zusätzlich kannst du erforschen, welches Gefühl genau deinen Widerstand auslöst. Beim Beispiel eines Vorgesetzten könnte es darum gehen, sich dominiert oder unfair behandelt zu fühlen. Beim Perfektionismus könnte es die Erfahrung sein, den eigenen Ansprüchen nicht zu genügen. Von außen sehen beide Situationen vielleicht nach Stress aus, innerlich können sie sich aber unterscheiden.

Je genauer du diese Reaktion erkennst, desto konkreter wird die Arbeit daran. Ein allgemeines „Ich bin eben immer gestresst“ sagt wenig darüber, was du brauchst. Die Frage nach dem jeweiligen Widerstand macht die Situation differenzierter und persönlicher.

Welcher Anspruch steht hinter deinem Perfektionismus?

Perfektionismus wird in der Folge nicht nur als Wunsch nach guten Ergebnissen betrachtet. Interessant ist die Bedeutung, die ein Ergebnis für dein Selbstbild bekommt. Was wäre daran so schwer, wenn etwas nicht perfekt gelingt? Was würde das in deiner inneren Vorstellung über dich aussagen?

Vielleicht zeigt sich dabei die Überzeugung, nur dann akzeptiert zu werden, wenn du besonders gut bist. Vielleicht erlebst du ein weniger gelungenes Ergebnis unmittelbar als Gefahr, abgelehnt zu werden. Das ist eine mögliche Richtung der Reflexion, keine Erklärung, die auf jeden Menschen passen muss.

Die Folge lädt dazu ein, solchen Gedanken nicht nur mit weiteren Leistungsplänen zu begegnen. Wenn du ausschließlich danach suchst, noch besser zu werden, bleibt die Bedingung möglicherweise unverändert: Erst wenn ich perfekt bin, darf ich mit mir zufrieden sein. Der Blick auf das zugrunde liegende Erleben öffnet eine andere Frage.

Einen anderen inneren Dialog kennenlernen

Wie sprichst du mit dir, wenn du nicht zufrieden bist? Vielleicht machst du dich klein, treibst dich weiter an oder suchst sofort nach einer noch strengeren Lösung. In der Folge beschreibe ich die Möglichkeit eines inneren Dialogs, der zunächst verstehen möchte.

Was bewegt dich so stark? Wovor hast du Angst? Was wäre für dich annehmbar, und was darf auf keinen Fall passieren? Wenn du so fragst, behandelst du deinen Perfektionismus nicht bloß als störende Eigenschaft. Du versuchst zu erkennen, welche innere Not oder welches Bedürfnis darin zum Ausdruck kommen könnte.

Dabei kann Traurigkeit auftauchen. In der Folge beziehe ich das auf die Vorstellung, nur unter bestimmten Leistungsbedingungen akzeptiert zu werden. Auch dieses Gefühl muss nicht gleich wieder in ein Verbesserungsprojekt verwandelt werden. Es kann zunächst Teil dessen sein, was du über dich wahrnimmst.

Selbstakzeptanz als Wunsch statt als weitere Forderung

Ein wichtiger Gedanke der Folge ist, die gewünschte Veränderung nicht mit demselben Druck anzugehen, der das Problem bereits prägt. Selbstakzeptanz wäre wenig hilfreich, wenn daraus sofort die nächste Forderung entsteht: Jetzt muss ich mich aber endlich vollständig akzeptieren können.

Ich beschreibe stattdessen ein Ziel, das du dir wünschst. Wie wäre es, freundlicher mit dir umzugehen? Wie würde sich eine Haltung anfühlen, in der du dich nicht bei jeder Schwierigkeit gegen dich selbst stellen musst? Du kannst diese Richtung interessant finden, auch wenn sie noch nicht deine gewohnte Erfahrung ist.

Darin liegt ein Unterschied zwischen Erwartung und Wunsch. Eine Erwartung kann sofort wieder bewerten, ob du bereits weit genug bist. Ein Wunsch lässt zunächst erkennen, wohin du dich entwickeln möchtest. In der Folge wird dieser Gedanke ausdrücklich als eine freudigere Ausrichtung beschrieben.

Die Frage: Mag ich mich eigentlich?

An einem Beispiel aus meiner Praxis erzähle ich, dass ich einer Klientin vorgeschlagen habe, sich selbst einmal zu mögen. Das klingt einfach und kann doch ungewohnt sein. Vielleicht findest du sofort etwas an dir, das du schätzt. Vielleicht merkst du vor allem, wie viele Bedingungen du daran knüpfst.

Die Frage soll keine schnelle positive Antwort erzwingen. Du kannst sie stellen und einen Moment warten, was innerlich darauf zurückkommt. Welche Reaktion zeigt sich? Wo entsteht Zustimmung, wo Widerstand? Damit wird dein Verhältnis zu dir selbst erfahrbarer als durch eine allgemeine Behauptung, dass Selbstakzeptanz wichtig sei.

In der Folge verbinde ich diese Frage außerdem mit einem beobachtenden Blick auf das eigene Erleben. Wer bewertet hier eigentlich wen? Wenn du deine Bewertungen bemerken kannst, bist du nicht nur in ihnen gefangen. Du kannst dir anschauen, wie du dich gerade siehst und welche Geschichte du darüber erzählst.

Ein Bild von mehr Souveränität entwickeln

Zum Schluss eröffnet die Folge die Perspektive auf eine andere Art, in schwierigen Situationen zu sein. Ich verwende dafür den Begriff Souveränität. Gemeint ist ein Bild von dir, das nicht ausschließlich durch die gewohnte Stressreaktion bestimmt wird.

Die ausführlichere Beschäftigung damit wird im Audio als weiteres Thema angekündigt. Für diese Folge bleibt zunächst die Frage: Wie könntest du dich erleben, wenn der innere Kampf weniger Raum hätte? Vielleicht wäre nicht jede Unvollkommenheit sofort ein Urteil über deine Person. Vielleicht könntest du einer Aufgabe begegnen und zugleich bei dir bleiben.

Du musst dieses Bild nicht vollständig ausarbeiten. Es kann zunächst eine Richtung sein, die den Blick vom bloßen Wegmachen des Stresses hin zu einer gewünschten Haltung erweitert.

Fragen aus der Folge

  • Was genau lehne ich an meinem Erleben in dieser Situation ab?
  • Was glaube ich leisten zu müssen, um akzeptiert zu werden?
  • Wie spreche ich innerlich mit mir, wenn etwas nicht gelingt?
  • Was passiert, wenn ich mich frage, was ich an mir mag?
  • Wie könnte eine souveränere, freundlichere Haltung zu mir aussehen?

Was du mitnehmen kannst

Die Folge betrachtet Perfektionismus über den inneren Widerstand: Du leidest möglicherweise nicht nur an einer schwierigen Aufgabe, sondern auch daran, wie du dich selbst dabei bewertest. Den Anspruch, das Gefühl und deinen inneren Dialog genauer wahrzunehmen kann einen anderen Zugang eröffnen. Selbstakzeptanz beginnt hier als gewünschte Richtung, nicht als weitere Prüfung, die du perfekt bestehen musst.

Was bedeutet das für dich?

Vielleicht erkennst du dich in einigen Gedanken wieder. In unserer gemeinsamen Arbeit schauen wir darauf, wie sich dieses Thema in deinem Alltag zeigt und welche Veränderung dir persönlich wichtig ist. Daraus entwickeln wir einen passenden nächsten Schritt.

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