Burnout-Warnzeichen.
Zehn Fragen zur Selbstreflexion

Zehn Fragen helfen dir dabei, anhaltende Erschöpfung, Leistungsdruck und deine aktuelle Belastung bewusster einzuschätzen.

15:09 Min. · Andreas Ebert · 09.06.2024

Podcast-Cover von Andreas Ebert
15:09 Min. · PODCAST

Burnout-Warnzeichen: Zehn Fragen zur Selbstreflexion

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Nach außen läuft vieles weiter. Du erledigst deine Aufgaben, hältst Zusagen ein und wirkst vielleicht zuverlässig wie immer. Innerlich kostet dich derselbe Alltag jedoch zunehmend Kraft. Wenn du gut darin bist, weiterzufunktionieren, bemerkt dein Umfeld nicht unbedingt, wie erschöpft oder angespannt du dich tatsächlich fühlst.

Diese Folge lädt dich mit zehn Fragen und einer Zusatzfrage zur Selbstreflexion ein. Es geht darum, genauer wahrzunehmen, wo äußere Anforderungen und eigene Bedürfnisse auseinanderliegen. Die Fragen sind kein diagnostischer Test und ergeben keine Punktzahl. Sie bieten einen Einstieg, um Belastungen nicht länger nur als selbstverständlichen Hintergrund deines Lebens zu behandeln.

Warum Funktionieren nicht alles über dein Befinden sagt

Im Mittelpunkt der Folge steht die mögliche Differenz zwischen äußerem Auftreten und innerem Erleben. Vielleicht möchtest du kompetent, belastbar und verlässlich sein. Diese Eigenschaften können viel Bedeutung für dich haben. Gleichzeitig wird es schwieriger, eigene Grenzen wahrzunehmen, wenn jede Erschöpfung möglichst unsichtbar bleiben soll.

Die Fragen setzen deshalb nicht erst bei einem völligen Zusammenbruch an. Sie richten sich auf alltägliche Spannungen: Welche Erwartungen treffen auf dich? Was willst du selbst? Wo hältst du ständig gegen etwas an? Und an welchen Stellen gibst du nach außen ein anderes Bild ab, als du innerlich erlebst?

Dabei werden in der Folge sowohl die äußere Situation als auch der innere Umgang angesprochen. Es kann tatsächliche Überlastung geben. Zugleich lohnt der Blick darauf, wie du auf Anforderungen reagierst und welche Bedürfnisse du dabei übergehst. Diese Ebenen gehören zusammen.

1. Wie wichtig bist du dir selbst?

Vielleicht kannst du sofort sagen, wie wichtig dir deine Familie, deine Arbeit oder das Wohlergehen anderer Menschen sind. Die erste Frage richtet dieselbe Aufmerksamkeit auf dich. Wie wichtig ist dir, wie es dir tatsächlich geht?

In der Folge geht es dabei nicht um eine schnelle richtige Antwort. Du kannst innehalten und schauen, ob das, was du sagst, auch zu deinem Alltag passt. Interessierst du dich für dein inneres Erleben? Oder wird es regelmäßig nach hinten gestellt, solange die Aufgaben nach außen erledigt werden?

2. Läuft es so, wie du es wirklich möchtest?

Wir bewegen uns zwischen äußeren Anforderungen und eigenen Bedürfnissen. Als alltägliches Beispiel erzähle ich in der Folge vom Spaziergang mit meinem Hund: Er möchte an vielen Stellen stehen bleiben, während ich vielleicht weiter und zur Arbeit kommen möchte.

Nicht jede solche Spannung ist ein Problem. Rücksicht und Verantwortung gehören zum Leben. Die Frage macht zunächst sichtbar, wo deine Wünsche und die Anforderungen an dich auseinandergehen. Wenn du das bemerkst, kannst du genauer betrachten, welche Spannungen gelegentlich auftreten und welche dich dauerhaft beschäftigen.

3. Hältst du ständig gegen etwas an?

Vielleicht gibt es Menschen, deren Anforderungen du immer wieder abwehren musst. Eine Kollegin bringt neue Aufgaben, ein naher Mensch möchte etwas von dir und du bist fortlaufend damit beschäftigt, dich dagegen zu verteidigen.

Die Folge lenkt die Aufmerksamkeit auf die Kraft, die dieses Gegenhalten kostet. Was ist in deinem Alltag nicht einfach nur anstrengend, sondern verlangt ständig innere Abwehr? Es kann hilfreich sein, diese Situationen konkret zu benennen, statt nur ein allgemeines Gefühl von Überforderung wahrzunehmen.

4. Erlebst du Beziehungen auf Augenhöhe?

Fühlst du dich im Kontakt mit anderen als gleichwertiges Gegenüber? Oder erlebst du dich häufig als unterlegen, abhängig oder wenig handlungsfähig? Die Frage kann berufliche wie private Beziehungen betreffen.

In der Folge nenne ich auch Menschen in leitenden Positionen. Eine hohe berufliche Stellung bedeutet nicht automatisch, sich in jeder Beziehung auf Augenhöhe zu erleben. Kunden, Banken oder Investoren können ebenfalls starken Druck auslösen. Interessant ist, welche Wirkung diese Kontakte auf dich haben.

5. Versuchst du etwas zu kompensieren?

Welche Tätigkeiten helfen dir, ein unangenehmes Erleben nicht wahrnehmen zu müssen? Die Folge nennt unter anderem Konsum und sehr intensiven Sport als mögliche Beispiele. Entscheidend ist hier die Funktion, die ein Verhalten für dich bekommt.

Die Frage lautet nicht einfach, ob du etwas tust, das kurzfristig angenehm ist. Sie lautet: Was möchte ich damit auf Abstand halten? Wenn eine Aktivität regelmäßig dazu dient, ein belastendes Gefühl zu übergehen, kann gerade dieses Gefühl eine nähere Betrachtung verdienen.

6. Welche körperlichen Beschwerden tauchen wiederholt auf?

Vielleicht kennst du wiederkehrende Nackenverspannungen, Kopfschmerzen oder andere Beschwerden. In der Folge frage ich danach, ob du solche wiederholten Erfahrungen überhaupt als Anlass nimmst, genauer auf dich zu achten.

Daraus lässt sich keine Ursache ableiten. Wiederkehrende Beschwerden verdienen eine passende Abklärung. Für die Selbstreflexion ist die Frage wichtig, ob du bemerkst, wie es dir geht, oder ob du vor allem versuchst, möglichst schnell wieder zu funktionieren. Das eine ersetzt die medizinische Betrachtung nicht.

7. Fühlst du dich trotz Schlaf müde und erschöpft?

Die nächste Frage betrifft Erholung. Wie geht es dir nach dem Schlafen? Hast du das Gefühl, wieder Kraft zu bekommen, oder bleibt die Erschöpfung bestehen? In der Folge wird angeregt, das nicht beiläufig abzutun.

Auch hier geht es nicht darum, aus einer einzelnen Beobachtung eine Diagnose zu machen. Du kannst aber genauer benennen, was du erlebst und seit wann es so ist. Anhaltende Erschöpfung ist ein konkreter Anlass, Unterstützung und Abklärung zu suchen, statt sie nur als persönliche Schwäche zu behandeln.

8. Kommst du am Wochenende oder im Urlaub zur Ruhe?

Wann lässt deine Anspannung tatsächlich nach? Schon mit dem Ende der Arbeitswoche, erst nach mehreren freien Tagen oder auch im Urlaub kaum? Die Folge lädt ein, auf den Übergang zwischen Anforderungen und Erholung zu achten.

Dazu gehört die Frage, wie du den Sonntagabend erlebst. Ist innerlich Raum, oder ist der nächste Arbeitstag bereits mit starkem Widerstand und Sorge verbunden? Du kannst beobachten, wie viel deiner freien Zeit sich wirklich frei anfühlt.

9. Beschäftigt dich eine Sorge fast dauerhaft?

Jeder kann sich zeitweise Sorgen machen. Die Frage der Folge richtet sich auf eine wiederkehrende Grundanspannung: Gibt es etwas, das dich nahezu ununterbrochen begleitet? Welche Zukunftsszenarien laufen immer wieder durch deinen Kopf?

Wenn du diese Gedanken benennen kannst, wird klarer, worauf deine Aufmerksamkeit ständig gerichtet ist. Vielleicht handelt es sich um eine konkrete offene Aufgabe. Vielleicht wiederholen sich Befürchtungen, ohne dass daraus ein hilfreicher nächster Schritt entsteht. Diese Unterscheidung kann ein Ausgangspunkt für ein Gespräch sein.

10. Tust du so, als sei alles in Ordnung?

Die zehnte Frage führt zurück zum Unterschied zwischen Außenwirkung und innerem Zustand. Zeigst du ein Bild von Stabilität, obwohl du weißt, dass du dich nicht so fühlst? Wie viel Anstrengung brauchst du dafür?

Du musst nicht jedem Menschen alles erzählen. Die Frage ist vielmehr, ob dein eigenes Erleben überhaupt noch einen Platz hat. Wenn du es regelmäßig übergehst, fehlt möglicherweise auch die Gelegenheit, gemeinsam mit jemandem genauer hinzuschauen.

Zusatzfrage: Freust du dich, wenn du Gefühle wegdrücken kannst?

Zum Schluss frage ich, ob du das Unterdrücken eines unangenehmen Gefühls als Erfolg erlebst. Vielleicht ist es kurzfristig erleichternd, wieder handlungsfähig zu sein. Die Folge regt trotzdem an, zu prüfen, was dabei auf Dauer aus dem Blick gerät.

Ein Gefühl bewusst wahrzunehmen ist etwas anderes, als ihm sofort jede Handlung folgen zu lassen. Es kann zunächst einfach eine Information darüber sein, wie du eine Situation erlebst. Genau dieser Kontakt mit dir selbst zieht sich durch die Fragen der Folge.

Was du mitnehmen kannst

Du musst aus den Antworten kein Gesamturteil über dich bilden. Vielleicht fällt dir eine Frage besonders auf. Dort kannst du beginnen, deinen Alltag genauer zu beobachten und darüber zu sprechen. Die Folge lädt dazu ein, Belastung früher ernst zu nehmen, auch wenn nach außen weiterhin vieles funktioniert.

Was bedeutet das für dich?

Vielleicht erkennst du dich in einigen Gedanken wieder. In unserer gemeinsamen Arbeit schauen wir darauf, wie sich dieses Thema in deinem Alltag zeigt und welche Veränderung dir persönlich wichtig ist. Daraus entwickeln wir einen passenden nächsten Schritt.

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